Montag, 14. Oktober 2019

[Rezension] Roxane Gay - Hunger


Kurzinfos:



Titel: Hunger
Autorin: Roxane Gay
erschienen im: btb Verlag
Seiten: 320 Seiten
Hardcover
Preis (Stand 10/19): 22,00 €


Klappentext:

Sie schreibt die Geschichte ihres Hungers. Sie schreibt die Geschichte ihres Körpers. Es ist keine Geschichte des Triumphs. Es ist die eines Lebens, das in zwei Hälften geteilt ist. Es gibt das Vorher und das Nachher. Bevor sie zunahm und danach. Bevor sie vergewaltigt wurde und danach. Roxane Gay, eine der brillantesten, klügsten und aufregendsten weiblichen Stimmen der USA, erzählt eine Geschichte, die so noch nie geschrieben wurde: schonungslos offen, verstörend ehrlich und entwaffnend zart spricht sie über ihren »wilden und undisziplinierten« Körper, über Schmerz und Angst, über zwanghaftes Verlangen, zerstörende Verleugnung und Scham.



Meine Meinung:

Roxane Gay hat ein neues Buch geschrieben. Nach dem Bestseller „Bad Feminist“ sind nun auch ihre Memoiren „Hunger“ in der deutschen Übersetzung erschienen.

„Hunger“ beschreibt Gays Kampf mit sich selbst und ihrem Körper nach einer Vergewaltigung in jungen Jahren. Um sich vor weiteren Übergriffen zu schützen und um die Wunden der Vergewaltigung zu schließen, isst sie immer mehr. Irgendwann werden die seelischen Schmerzen der Vergewaltigung abgelöst durch seelische Schmerzen, die aus einer Umwelt kommen, die nicht umgehen kann mit nicht normschönen Körpern.

So wichtig ich das Thema allerdings finde, so unbefriedigt hat mich das Buch letzten Endes zurückgelassen.

Die Autorin beschreibt lang und breit, wie sie zu der Einstellung ihres Körpers kam, die sie heute hat. Und ich möchte ihr die Erfahrungen, die Erniedrigungen, das daraus resultierende Selbstwertgefühl nicht absprechen. Für mich allerdings war das Buch ein weiterer Stein, der einer Frau auf dem Weg zu einem gesunden Gefühl zu ihrem Körper in den Weg gelegt wurde. Das Buch erzählte mir nichts neues, was ich als Frau nicht schon zig mal gehört habe (die persönliche Geschichte der Autorin mal abgesehen) - Körper von Frauen werden zu Gegenständen, Werbung und Reality-TV-Formate unterstützen das, Frauen haben sich dem gesellschaftlichen Druck zu beugen oder sind schlichtweg nicht diszipliniert genug. Mir hat es tatsächlich teilweise mein schlechtes Gewissen eher sogar noch unterstützend wieder unter die Nase gerieben als dagegen angekämpft. 

Leider verliert sich das Buch auch in oberflächlichen Erzählungen und Wiederholungen. Des öfteren hatte ich das Gefühl, dass die Autorin erzählen möchte über das, was ihr geschehen ist, aber letzten Endes das ganze doch nicht in Worte packen konnte. Stellenweise macht es den Anschein, als ob das Schreiben des Buchs ein Therapieersatz oder zumindest ein Ansatz dahin sein soll. Aus literarischer Sicht konnte mich das Buch aber (oder gerade deshalb) nicht in seinen Bann ziehen. 

Das Buch sollte gelesen werden von jedeM (und hier verwende ich bewusst das Maskulinum), der denkt, Körpermaße seien rein eine Sache der Einstellung. Denn wahr ist, dass wir über Frauen übergestülpte Körperideale, daraus resultierende Stereotype und den gesellschaftlichen Umgang damit sprechen müssen. Frauen, die diese Gedanken schon jetzt überheblich teilen, empfehle ich das Buch nicht. Aus Selbstschutz. Ich befürchte, das Buch kann dazu beitragen, genau diese Einstellung noch zu unterstützen. Und die möchte ich persönlich von anderen nicht hören; ich habe hart mit mir gekämpft, um mir das nicht zu persönlich zu nehmen. Ich möchte mich nicht in die Höhle des Löwen begeben. Für alle anderen Frauen, in welchem Struggle auch immer sie sich befinden... nun ja, für diese Frauen wird das Buch nicht vieles liefern, was sie nicht schon zigmal gehört haben, gegen das wir uns seit Jahren und Jahrzehnten wehren und von dem wir aufpassen müssen, vor lauter “gegen die Mühlen anlaufen” nicht müde davon zu werden und aufzuhören. Für mich ist das Buch nämlich manchmal fast ein Manifest genau dafür...




2 von 5 Sternen

Sonntag, 13. Oktober 2019

[Rezension] Fabienne Brouillard - Rendezvous mit Lou


Kurzinfos:

Titel: Rendezvous mit Lou
Autorin: Fabienne Brouillard
erschienen im: Diana Verlag
Seiten: 368 Seiten
Taschenbuch
Preis (Stand 10/19): 9,99€ zum Beispiel bei amazon


Klappentext:

Abserviert. Dabei hatte Lou gedacht, endlich auf die Pariser Sonnenseite des Lebens zu wechseln. Mit Olivier und einem erfolgreich abgeschlossenen Journalistikstudium. Und dann so was: Die Noch-Ehefrau ist schwanger, und zwar von Olivier. Klar, dass Lou rotsieht. Sie hätte nur nicht in aller Öffentlichkeit mit Petits Fours werfen sollen ...

Zwei Wochen bleiben ihr, um zu beweisen, dass sie eine gute Verliererin und eine noch bessere Journalistin ist. Denn bis dahin muss sie ihren Schmerz besiegt und ein Exklusivinterview mit dem medienscheuen Frédéric d’Arambault ergattert haben. 

Die Zeit läuft, und Lou muss unbedingt gewinnen ...



Meine Meinung:

Ich habe nicht besonders viel erwartet von diesem Buch und das hab ich dann auch bekommen - wenig.
Lou ist eine aufstrebende Journalistikstudentin, die sich mit einem verheirateten Dozenten eingelassen hat. Wie zu erwarten fliegt ihr das um die Ohren und sie steht vor dem Nichts, sie steht vor dem Rausschmiss von der Hochschule, das einzige was sie noch retten kann - ein Interview mit dem sehr privaten Frédéric. Soweit so offensichtlich.
Der naheliegende Lösungsansatz für ihr Dilemma - sie bricht in sein Hotelzimmer ein, wird prompt erwischt und hat Glück dass sie hübsch ist, denn und das sind Frédérics Worte und nicht meine "wäre die hässlich gewesen, hätte er sofort die Polizei gerufen". Großartig. 
Der logische nächste Schritt ist natürlich, dass sie für einen von seinen Geschäftspartnern ein Ehepaar spielen und sich dann unsterblich ineinander verlieben. 
Ich wollte dieses Buch mögen. Wirklich, ich liebe das franzäsische joie de vivre und hatte mich auf einen charmanten, witzigen, kurzweiligen Roman gefreut, aber, obwohl es seine lichten Momente hatte, war ich einfach untergeistert.
Nehmen wir mal Lou, eine intelligente, junge Dame, die obwohl sie ständig erzählt, dass sie Frédéric nicht besonders mag (wieso auch nicht, der Mann erpresst sie!), trotzdem alles tut was er will und sich von ihm bevormunden lässt. Sie war mir schon auf den ersten Seiten unsympathisch (Man fängt einfach nichts mit einem verheiratetem Mann an, sorry, aber wie naiv kann man bitte sein?!), das mit dem Einbruch war einfach dumm und insgesamt hat sie sich einfach nur leid getan die ganze Zeit.
Frédéric, aus dessen Sicht abwechselnd mit der Lous geschrieben wurde, fand ich interessanter, er hat irgendwo eine Entwicklung durchgemacht und verhält sich vor allem gegen Ende sehr süß. Obwohl ich wirklich keine Ahnung habe, was er an Lou findet :P

Ich fand den Umgang mit dem Thema Suizid, Fremdgehen und Abtreibung sehr befremdlich, diese Themen hätten dem Plot mehr Tiefe geben können, sind aber alle sehr oberflächlich behandelt und nur als Mittel zum Zweck abgetan worden, was schade ist. 

Ich mochte den Stil, das Buch hat sich sehr flüssig lesen lassen, vor allem wenn man bedenkt, dass die französische Autorin in einer Fremdsprache geschrieben hat, es gab hin und wieder ein paar Ausdrücke und Redewendungen die ein wenig eckig klangen, aber insgesamt ist Rendevous mit Lou sehr schön geschrieben. Ich mochte auch die kleinen französichen Phrasen und Wörter, die immer wieder auftauchten, das hat den Text sehr authentisch gemacht. Auch das französische Flair und die Liebe zu Paris kam für mich sehr schön rüber.

Insgesamt aber trotzdem kein Buch das ich empfehlen oder noch einmal lesen würde.

2 von 5 Sterne

Donnerstag, 10. Oktober 2019

[Rezension] Eloise Jarvis McGraw - Tochter des Nils


Kurzinfos:

Titel: Tochter des Nils
Autorin: Eloise Jarvis McGraw
erschienen im: Beltz-Verlag
Seiten: 343 Seiten
Hardcoverausgabe
Preis (Stand 10/19): ab 1,07€ (gebraucht) bei amazon


Klappentext:

Mara würde alles tun, um aus ihrem Sklavendasein auszubrechen. Deshalb zögert sie nicht, als ihr neuer Herr ihr die Freiheit verspricht, wenn sie einen lebensgefährlichen Auftrag annimmt: Sie soll Thutmosis, den Stiefsohn der herrschenden Pharaonin Hatschepsut, ausspionieren. 
Doch schon bald gerät Mara in Bedrängnis. Sie muss, um ihr Leben zu retten, einen zweiten geheimen Auftrag annehmen...


Meine Meinung:

Ahhh Tochter des Nils. Ich hab dieses Buch schon so oft gelesen, das erste Mal ausgeliehen aus der Stadtbücherei, da war ich vielleicht 14? Ich habs nie auf die Kette bekommen eine Rezension zu schreiben, aber jetzt ist die Zeit endlich reif: Ich liebe dieses Buch.
Mara ist eine ägyptische Sklavin, die durch einen Zufall zwischen den Pharao Königin Hatschepsut und ihren revoltierenden Stiefsohn Tutmosis gerät. Ich mag Mara, sie ist stark, schlau, hat ihren eigenen Kopf und obwohl sie ihre Fehler hat, war sie die perfekte Hauptperson, die Freundschaft zwischen Innani, der vulgären Prinzessin aus Kanaan und Mara war toll beschrieben und Scheftu? Bookboyfriendmaterial. Just sayin. 
Tochter des Nils ist im übrigen kein besonders neues Buch, es wurde Anfang der 50er geschrieben und dafür finde ich, dass es sehr gut gealtert ist. Ich mochte all die ägyptischen Worte und wie immer wieder Teile der Mythologie eingebaut wurden. Historisch ist die Geschichte nicht besonders akkurat, aber guess what: Das ist mir so egal, Tochter des Nils ist ein SUPER BUCH! 
Liebe das. 


5 von 5 Sterne

Mittwoch, 9. Oktober 2019

[Rezension] Ferdinand von Schirach - Der Fall Collini


Kurzinfos:

Titel: Der Fall Collini
Autor: Ferdinand von Schirach
erschienen im: Piper Verlag
Seiten: 208 Seiten
Hardcoverausgabe
Preis (Stand 10/19): 3,73€ (gebraucht) bei amazon


Klappentext:

34 Jahre hat der Italiener Fabrizio Collini als Werkzeugmacher bei Mercedes-Benz gearbeitet. Unauffällig und unbescholten. Und dann ermordet er in einem Berliner Luxushotel einen alten Mann. Grundlos, wie es scheint. Der junge Anwalt Caspar Leinen bekommt die Pflichtverteidigung in diesem Fall zugewiesen. Was für ihn zunächst wie eine vielversprechende Karrierechance aussieht, wird zu einem Albtraum, als er erfährt, wer das Mordopfer ist: Der Tote, ein angesehener deutscher Industrieller, ist der Großvater seines besten Freundes; in Leinens Erinnerung ein freundlicher, warmherziger Mensch. Wieder und wieder versucht er die Tat zu verstehen. Vergeblich, denn Collini gesteht zwar den Mord, aber zu seinem Motiv schweigt er. Und so muss Leinen einen Mann verteidigen, der nicht verteidigt werden will. Ein zunächst aussichtsloses Unterfangen, aber schließlich stößt er auf eine Spur, die weit hinausgeht über den Fall Collini und Leinen mitten hineinführt in ein erschreckendes Kapitel deutscher Justizgeschichte …


Meine Meinung:

Ich weiß nicht genau was ich bei diesem Buch erwartet habe. Definitiv nicht sowas. Inhaltlich war Der Fall Collini eine Bombe. Erst blickt man eine ganze Weile gar nicht durch, dann ist man einfach nur entsetzt. Der Plot hat eine Wendung genommen, die ich nie nie nie vorausgeahnt hätte und was zwar als aufsehenerregender Mordfall begonnen hat verwandelt sich am Ende in viel mehr als das. Dabei ist es nicht nur ein einfacher Roman über einen Mordfall, es ist genauso auch Aufklärug über deutsche Geschichte und über deutsches Recht, nicht verwunderlich natürlich wenn man bedenkt, dass der Autor ein Strafverteidiger ist.
Ein richtig gutes Buch lässt dich nach der letzten Seite nicht mehr los und stößt was in dir an und das hat dieses Buch bei mir ohne Zweifel. Es hat Interesse geweckt, ich will mehr über das Dreher-Gesetz wissen und das macht dieses Buch für mich schon zu einem 5 Sterne Buch, auch wenn es Erzählerisch schon seine Macken hat meines Erachtens. Aber das kann ich außen vor lassen, wenngleich ich es  trotzdem noch kurz erwähne.
Sprachlich ist der Stil sehr sachlich, ohne viele Ausschweifungen und Emotionen, was Sinn macht vor dem beruflichen Hintergrund des Autors, trotzdem war es mir an manchen Stellen etwas zu trocken,
besonders am Anfang, gegen Ende war der sachliche Stil wieder sehr passend. Die Charaktere sind auch alle bis vielleicht auf Collini, sehr bla. Ich musste grade nochmal überlegen wie der Anwalt hieß und ich habe das Buch erst vor Minuten zu Ende gelesen. 
Das größte Problem mit dem Buch das ich hatte war das Ende. Ich will jetzt nicht spoilern, aber es war einfach unbefriedigend, als wollte man das Buch nachdem der Knaller gezündet wurde schnell mit wenigen Sätzen beenden. Ich hätte mir einfach noch ein bisschen mehr erwartet. Das Ende an sich ist kosistent mit dem Plot, aber zu schnell abgefrühstückt für meinen Geschmack.
Alles in allem ein Buch das mich sehr berührt hat, die kleinen Mankos in meinen Augen sind mir fast egal, deswegen bleib ich bei 5 Sternen.


5 von 5 Sternen


Dienstag, 8. Oktober 2019

[Rezension] Lena Kiefer - Ophelia Scale - Die Welt wird brennen



Kurzinfos:

Titel: Ophelia Scale - Die Welt wird brennen (Ophelia Scale #1)
Autorin: Lena Kiefer
erschienen im: cbj Verlag
Seiten: 464 Seiten
Hardoverausgabe
Preis (Stand 10/19): 18,00€ zum Beispiel bei amazon


Klappentext:

Die 18-jährige Ophelia Scale lebt im England einer nicht zu fernen Zukunft, in dem Technologie per Gesetz vom Regenten verboten ist. Die technikbegeisterte und mutige Kämpferin Ophelia hat sich dem Widerstand angeschlossen und wird auserkoren, sich beim royalen Geheimdienst zu bewerben. Gelingt es ihr, sich in dem harten Wettkampf durchzusetzen, wird sie als eine der Leibwachen in der Position sein, ein Attentat auf den Herrscher zu verüben. Doch im Schloss angekommen, verliebt sie sich unsterblich in den geheimnisvollen Lucien – den Bruder des Regenten. Und nun muss Ophelia sich entscheiden zwischen Loyalität und Verrat, Liebe und Hass ...



Meine Meinung:

Die Eckstory ist wahrlich nichts neues - Dystopisches Setting - Mädchen schleicht sich ins Königshaus ein und verliebt sich letztlich in den Feind. Das ist so etwa genauso der Plot von "Die rote Königin" (Victoria Aveyard) und "Der Kuss der Diebin" (Sara Wolf) und das sind jetzt nur zwei Beispiele die ich gelesen habe. Die Rahmenhandlung ist also ein wiederkehrendes Thema in der Jugendliteratur, aber eben auch mit Recht. Ich mochte "Ophelia Scale" sehr gerne. Besonders wenn man bedenkt, dass es sich hier um einen Debütroman handelt, kann ich nicht mehr tun als meinen Hut zu lupfen.
Ich mochte die Charaktere, allen voran natürlich Ophelia. Ein Charakter der einerseits so stark ist, der auf der anderen Seite aber auch sensibel, kaputt, voller Wut und Trauer ist, sodass man sie einfach lieb haben muss.
Die Handlung ist sehr spannend, immer wenn man denkt, man kann vorhersehen in welche Richtung sich die Geschichte entwickelt kommt wieder eine Kehrtwende um 180 Grad, ein bisschen frustriend, aber auf eine gute Art und Weise.
Das einzige was ich eventuell ein bisschen bekritteln könnte ist, dass sich die Beziehung zwischen Lucien und Ophelia viel zu schnell entwickelt hat. Immerhin ist er der Bruder des Mannes den sie am meisten hasst und da lässt sie ihn schon nach dem dritten Gespräch in ihr Höschen? Naja...
Ich hätte es schöner gefunden, wenn sich die Beziehung langsamer entwickelt.
Der Cliffhanger am Ende ist natürlich super gemein, jetzt bleibt mir ja gar nichts anderes übrig als weiterzulesen, auch weil ich die letzten Entwicklungen ein wenig verwirrt haben. OMG what will happen next!? 
Insgesamt ein schönes Fantasy-Buch für Fans von starken weiblichen Protagonisten!


4 von 5 Sterne

Montag, 9. September 2019

[Rezension] Rita Falk - Winterkartoffelknödel



Kurzinfos:

Titel: Winterkartoffelknödel (Eberhofer #1)
Autorin: Rita Falk
erschienen im: dtv Verlagsgesellschaft
Seiten: 336 Seiten
Taschenbuch
Preis (Stand 09/19): 9,00€ zum Beispiel bei amazon 


Klappentext:

Nachdem der Eberhofer Franz seinen Dienst bei der Münchner Polizei quittieren musste und in sein niederbayerisches Heimatdorf Niederkaltenkirchen strafversetzt wurde, schiebt er eine ruhige Kugel. Seine Streifegänge führen ihn immer zum Wolfi auf ein Bier oder an den Küchentisch seiner stocktauben Großmutter. Sehr erholsam, bei all dem Zoff mit einem hanfanbauenden Vater (Alt-68er), der ihn mit Beatles-Dauerbeschallung noch in den Wahnsinn treibt. Aber manchmal muss der Eberhofer Franz auch in ziemlich grausigen Todesfällen ermitteln. So wie bei seinem ersten Fall: Da ist diese Geschichte mit den Neuhofers, die an den komischsten Dingen sterben. Mutter Neuhofer: erhängt im Wald. Vater Neuhofer (Elektromeister): Stromschlag. Jetzt ist da nur noch der Hans. Und wer weiß, was dem bevorsteht ...


Meine Meinung:

Uff. Ich bin so ein bisschen zwiegespalten. Ich seh die Bücher überall, ich hab auch (ich glaube) zwei Filme gesehen und jeder erzählt mir wie toll die Bücher sind, also hab ich mir jetzt mal das erste der (momentan) 9 Buch starken Reihe zu Gemüte geführt.
Und ich versteh auch, wieso so viele die Bücher toll finden. Es ist witzig und nett gemacht. 
Dorfpolizist Eberhofer langweilt sich in Niederkaltenkirchen, als plötzlich eine Reihe von Todesfällen passiert. Alle Mitglieder der Familie Neuhofer rafft es dahin. Für die Bevölkerung und die Vorgesetzten vom Franz Eberhofer ist klar - unglückliche Zufälle. Der Eberhofer selber ist nicht überzeugt und fängt (einigermaßen stümperhaft) das Ermitteln an [an dieser Stelle bitte Dienstwaffe entsichern und bedrohlich auf jeden richten, der grad zufällig in der Nähe ist].
Ein gemütlicher Fall, der erst langsam so richtig ins Rollen kommt, einigermaßen vorhersehbar ist und auch nicht wirklich spannend. Aber dafür ist es auch ein Provinzkrimi, so ist es da eben. Im Herzen Bayern hat mans mit der Gmütlichkeit.
Eberhofer selber wird zwar als grantig, schlicht und nicht besonders schnell im Kopf dargestellt, aber doch freundet man sich als Leser schnell mit ihm an. Andere Charaktere, wie zum Beispiel der Flötzinger - zum beömmeln. das dauergeile kleine GWS-Mandal vom Dienst, das jede Frau jederzeit gerne bespringen würde, obwohl er daheim Frau und Kind hat, oder die Oma, die verschrumpelt wie eine kleine Rosine trotzdem noch fit genug ist um jedem Sonderangebot hinterherzujagen. Das hat Spaß gemacht und ich hab öfter mal geschmunzelt.

Jetzt aber noch ein kleines, doch gewichtiges Aber - aber, ich denke die Perspektive hat dem Buch nicht unbedingt gut getan. Winterkartoffelknödel erzählt aus der Sicht des Herrn Eberhofer höchstpersönlich und ich finde, das war vielleicht nicht die beste Idee. Der Schreibstil ist ermüdend einfach gehalten, ohne Anspruch auf irgendeine Art von geistiger Herausforderung für den Leser. Der Satzbau ist ständig der gleiche, Wörter wiederholen sich andauernd, es ist teilweise einfach langweilig, auch weil man so den Eindruck bekommt, der Herr Eberhofer wäre einfach, man verzeihe mir den Ausdruck, dumm wie ein Fleischkäsebrötchen. Was doch irgendwie schade ist und mich auch ein bisschen in meiner Bayernehre kränkt.

Insgesamt konnte man das Buch ohne Probleme in einem Rutsch durchlesen, eben ein Buch, das man so nebenbei mal mitnehmen kann, zwar bei weitem nicht das Beste was es auf dem Provinzkrimimarkt gibt, aber doch ganz nett.


2,5 von 5 Sterne


Montag, 26. August 2019

[Rezension] Josef Wilfling - Geheimnisse der Vernehmungskunst



Kurzinfos: 

Titel: Geheimnisse der Vernehmungskunst - Die Strategien des legendären Mordermittlers
Autor: Josef Wilfling
erschienen im: Heyne Verlag
Seiten: 272 Seiten
gebundene Ausgabe
Preis (Stand 08/19): 20,00€ zum Beispiel bei amazon


Klappentext:

Sein ganzes Wissen als Verhörspezialist ist in dieses Handbuch eingeflossen: Josef Wilfling, legendärer Ermittler und langjähriger Leiter der Münchner Mordkommission, hat es in der Ausbildung von Polizeibeamten eingesetzt. Psychologisch fundiert und juristisch versiert führt er in die Geheimnisse der Vernehmungskunst ein, das Herzstück der polizeilichen Ermittlungsarbeit. Welche Vernehmungstechniken gibt es? Woran erkennt man, ob das Gegenüber lügt oder die Wahrheit sagt? Und wie überzeugt man Tatverdächtige davon, dass sie besser kooperieren? Das Verblüffende daran: Vieles lässt sich in unserem Alltag anwenden, sei es bei Verhandlungen oder um dem Wahrheitsgehalt einer Darstellung auf den Grund zu gehen. Ein einzigartiges Dokument, ein Blick hinter die Kulissen der Polizeiarbeit, wie er spannender nicht sein könnte.


Meine Meinung:

Ich hab "Unheil" von Josef Wilfling mit großem Vergnügen gelesen und kann sagen, dass dieses Buch mit der Grund war, warum ich mich angefangen habe für das True Crime Genre zu begeistern. Ein wahnsinnig interessanter Mann, der wirklich interessante und spannende Geschichten zu erzählen weiß. Nicht zuletzt deswegen, hab ich mich also wirklich sehr gefreut, als ich gesehen habe, dass er ein neues Buch herausgebracht hat. Aber, ABER! Dieses Buch ist anders als seine Vorgänger und dessen sollte man sich vor dem Kauf bewusst sein.
"Geheimnisse der Vernehmungskunst" hat zwar selbst nicht den Anspruch ein Lehrbuch zu sein, aber de facto ist es das doch irgendwo. Herr Wilfling teilt seine Weisheiten in puncto Vernehmungskunst, die do's and don'ts sozusagen. Nicht mehr und nicht weniger. 
Ich lese gerne lange und auch schon mal ein Buch am Stück, aber das ging bei diesem Buch einfach nicht. Zu trocken und in großen Mengen auch schonmal langweilig. In kleinen Häppchen ging es aber und wenn man sich für die internen Abläufe bei jedermannes Freund und Helfer interessiert, ist es auch ein sehr erhellendes Buch.
Insgesamt nicht das was man von Herrn Wilfling gewoht ist, ich mochte seine Geschichten über seine erlebten Fälle immer sehr und die persönlichen Erlebnisse haben mir einfach gefehlt.
Aber für Interessierte und vor allem natürlich auch für (angehende) Polizeibeamte ein must-read!


3 von 5 Sterne

[Rezension] Roxane Gay - Hunger

Kurzinfos: Titel: Hunger Autorin: Roxane Gay erschienen im: btb Verlag Seiten: 320 Seiten Hardcover Preis (Stand 10/19): 2...