Freitag, 28. Februar 2020

[Rezension] Andreas Michels - Atahash

Kurzinfos:

Titel: Atahash
Autor: Andreas Michels
erschienen im: Gegenstromschwimmer Verlag
Seiten: 549 Seiten
Taschenbuch
Preis (Stand 02/20): 14,99€ zum Beispiel im Verlagsshop



Klappentext:

"Ein jeder Mensch, ob Sklave oder Grande, wird sich irgendwann gegen das Leid auflehnen, das ihm zugefügt wird [...] und dann wird der Tod hier eine reiche Ernte halten!"

Geldnot und nicht etwa der Glaube bringen den Hidalgo Alejandro Quesada im Jahre des Herrn 1530 dazu, eine Schar Getreuer um sich zu sammeln und in die Neue Welt zu segeln. Unter dem Kommando des Generalcapitan Francesco Pizarro will er gegen die Inka ziehen.
Nach wochenlanger Seereise durchkreuzt indes ein Sturm die Pläne des Adligen. Schwer beschädigt verliert Alejandros Schiff den Anschluss an den Konvoi und muss den Kurs zur rettenden Küste einschlagen.
Noch ahnt er nicht, dass er damit am Anfang eines Abenteuers steht, in dem die heidnischen Indios Südamerikas bei weitem nicht sein einziges Problem sein werden ...




Meine Meinung:

Ich bin mir nicht so ganz sicher, wie ich diese Rezension beginnen soll, ich schreibe immer mal wieder eine Zeile und lösche sie dann aber gleich wieder. Schwierig,

Ich weiß gar nicht was ich erwartet habe. Einen Historienroman? Sicher. Aber SO einen Historienroman? Mehr so nein. 

Nach einem Leck im Schiff muss Don Alejandro zusammen mit seiner Crew an der Küste von Venezuela notlanden und landet in Marienhafen, einer Festung des deutschen Hauses Welser. Kaum da geht es auch schon los mit Problemen mit dem Schiff, mit der indigenen Bevölkerung vor Ort und mit dem allzu enthusiastischen Priester der Spanier, der sich plötzlich als Inquisitor zu erkennen gibt und zum Kreuzzug gegen die gottlosen Wilden aufruft.

Was ich sehr schön fand an dem Buch, ist, dass man sehr genau gemerkt hat, dass sich der Autor sehr umfangreich mit den geschichtlichen Gegebenheiten auseinandergesetzt hat und ich hab mich gefreut, als ich im Nachwort gelesen habe, dass er sich hat von den Memoiren des Dominikaners Bartholomé de las Casas inspirieren lassen. Reiseberichte, die ich während des Studiums gelesen habe und hier als sehr lesenswert weiterempfehlen kann.

Und obwohl man das geschichtliche Hintergrundwissen beim lesen bemerkt, erzählt Atahash doch eine ganz eigene Geschichte, der man vor allem im Verlauf der Geschichte sehr viel Fantasie anmerkt, welche sich langsam aber stetig zu einem Crescendo zuspitzt und dann schlussendlich die perfekte Wandlung vom Historienroman bis hin zum Fantasy/Horror-Schmöker schafft. Erstaunlich. Hatte ich anfangs noch meine Probleme mit dem Erzähl-Flow, hat es mich, je weiter die Handlung fortschritt, immer mehr gepackt, bis ich am Ende nur noch gebannt an den Seiten klebte.

Ich mochte die Charaktere der Geschichte, ich konnte fast immer all ihr Handeln nachvollziehen. Ich hab sogar auf jeden Fall Sympathien zu Don Alejandro und vor allem aus Cisco entwickelt, obwohl sie grade erst ein Dorf der Indigenen abgeschlachtet hatten. Wie seltsam ist das bitte?
Allerdings hätte ich gerne noch mehr über Don Philippe und Don Cisco erfahren, einfach weil da für mich noch zu viele Fragen offen geblieben sind.

Mein Liebster Charakter war ohne Zweifel Padre Miguel. Einfach weil ich es so faszinierend fand wie er immer weiter in seinen Gotteswahn abgedriftet ist. Ganz großartiger Charakter.

Insgesamt ein sehr eigenes Buch, das mich zeitweise, ob seines Themas wahnsinnig deprimiert hat, wie Europäer in Lateinamerika gehaust haben ist einfach nur schlichtweg wiederwärtig (obwohl noch vergleichsweise harmlos, wenn man die Situation mit der in Nordamerika vergleicht). Da schlägt das Buch einem mit der geballten Faust ins Gesicht, die Beschreibungen hier gehen einem schon an die Nieren.

Trotzdem, ein Buch das ich gerne gelesen habe und auch uneingeschränkt weiterempfehlen würde.



4,5 von 5 Sterne


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