Dienstag, 29. Oktober 2019

[Rezension] Annette Curtis Klause - Blood & Chocolate



Kurzinfos:

Titel: Blood & Chocolate
Autorin: Annette Curtis Klause
erschienen bei: Heyne fliegt
Seiten: 336 Seiten
gebundene Ausgabe
Preis (Stand 10/19): ab 0,78€ (gebraucht) bei amazon


Klappentext:

Kannst Du mich lieben, so wie ich bin? Für die sechzehnjährige Vivian ist diese Frage mehr als ein Spiel. Denn das schöne und mutige Mädchen verbirgt ein Geheimnis: Nachts verwandelt sie sich in einen Wolf. Vivian liebt das wilde Streifen durch die mondbeschienenen Wälder Marylands, sie ist gern Teil ihres Wolfsrudels. Doch wie gefährlich dieses Anderssein ist, erfährt sie, als ihr Vater von aufgebrachten Menschen getötet wird und das Rudel fortan ohne Anführer ist. Während sich eine Gruppe von fünf jungen Männern, unberechenbar in ihrer Lust nach Blut, um Vivian bemühen, zieht es ihr Herz immer stärker zu ihrer menschlichen Seite. Eines Tages findet sie in ihrer Highschool ein Gedicht über Wölfe. Tief berührt von der Schönheit der Worte, macht Vivian den Verfasser der Zeilen ausfindig. Es ist Aiden, einer ihrer Mitschüler. Zwischen beiden entspinnt sich eine tiefe Liebe, doch als der sensible Aiden ihr wahres Wesen erkennt, scheint alles verloren. Kann er seine Furcht überwinden? Und kann Vivian die Wölfe ihres Rudels in Schach halten?


Meine Meinung:

Ich bin mir noch nicht so ganz sicher wie ich meine Rezension anfangen soll. Selsames Buch. Ich bin nicht mal ganz eins mit mir, ob ich es jetzt komplett mochte, oder komplett bescheuert fand. Seltsam. Liegt vermutlich mit auch daran, dass ich zuerst den Film gesehen habe, den Film großartig fand und jetzt mit dem Buch, das so ganz anders ist (und ich meine nicht, paar Szenen wurden umgeschrieben, im Kern noch das selbe - nein, es ist wirklich komplett anders, gerade so, dass man die Charaktere von weitem mit zusammengekniffenen Augen noch vermeintlich wieder erkennt) ein bisschen überfordert war.
Das ist, als ob man eine Apfeltasche in die Hand bekommt, in den Grundfesten davon überzeugt ist gleich den leckeren Geschmack von süßen Äpfeln im Mund zu spüren und dann beißt man rein und es ist eine Spinattasche. Jetzt versteht mich nicht falsch, ich liebe Spinat, aber es ist eben nicht ganz das was man erwartet hat. 

Naja, bevor ich mich noch weiter in konfuse Analogien verrenne - ein bisschen Kontext:

Vivian ist eine loup-garoux, ein Wechselwesen, das sind von Zeit zu Zeit in einen Wolf verwandeln kann. Sie lebt in einem Rudel mit Wesen ihrer Art und hat eine ganz und gar animalische, wilde Seite an sich. Sie ist 16 Jahre alt, ein Teenager und hadert massiv mit ihrer Familie. Ihr Vater ist in einem Brand ums Leben gekommen, für den sie sich verantwortlich fühlt, ihre Mutter schäckert ungeniert mit Männern rum, die halb so alt sind wie sie selbst und von den anderen Jungs in ihrem Alter wird sie praktisch nur als "Weibchen" angesehen. 
Sie wendet sich also mehr den anderen Menschen zu und verliebt sich in den Mitschüler Aiden. Soweit so vorhersehbar. Die Beziehung mit Aiden ist auf ganzer Linie frustrierend, sie kommen einfach nicht zu Potte und am Schluss war sogar ich sexuell frustriert und ich hab nur mitgelesen. :P 
An dem Punkt geht die Handlung dann einen Weg, den ich ich nie vorrausgeahnt hätte - Was fällt dir ein nicht die vordefinierten Wege eines YA Fantasyromans zu nehmen! Alles wird auf den Kopf gestellt, verrückt, und ich frage michob das Buch auf einer tieferen Ebene nicht vielleicht ein falsches Bild von "wir" und "die anderen" vermittelt, oder ob ich da schon wieder zu viel hineininterpretiere.

Ich mochte Vivian nicht, sie ist zu stolz, zu eitel, zu selbstsüchtig. Ihre Mutter ist ein Totalausfall, die gleichaltrigen Jungs "die fünf" sind unerträgliche Machos, emanzipierten Frauenrechtlerinnen würd ich das Buch nicht empfehlen. Am interessantesten war noch Gabriel, der junge Anführer des Rudels (ja, genau der mit dem die Mama rumgeschäckert hat *kotz*), er hat sich als ganz anders herausgestellt, als ich das dachte anfangs, aber wie gesagt, am Ende war alles ganz ganz ganz anders, als ich mir das je gedacht hätte.

Insgesamt eine leichte Lektüre, sprachlich einwandfrei, fragwürdige Passagen voller Machismo, Frauenverachtung, übersexualisierten Teenagern, eventuell unglücklicher Schwingungen zum Thema Rassismus (denn das ist es letztlich - Rassismus), aber mal was anderes. Das Grundthema mag ich eigentlich, obwohl ich den Film (und wer hätte gedacht, dass ich das jemals sagen würde - ) besser fand.


2 von 5 Sternen

[Rezension] Stephen Fry - Geschichte machen



Kurzinfos:

Titel: Geschichte machen
Autor: Stephen Fry
erschienen im: Aufbau Verlag
Seiten: 497 Seiten
Taschenbuchausgabe
Preis (Stand: 10/19): 15€ zum Beispiel bei amazon


Klappentext:

Was wäre geschehen, wenn Hitler nie gelebt hätte? Diese Frage treibt den jungen Cambridge-Historiker Michael Young und den Physik-Professor Leo Zuckermann um. Beide träumen davon, den Holocaust ungeschehen zu machen. Auf wunderbare Weise schaffen sie den Zeitsprung nach Braunau ins Jahr 1888. Bleibt der Menschheitsgeschichte ihr finsterstes Kapitel erspart? 


Meine Meinung:

Was wäre wenn Hitler niemals gelebt hätte? Mit der Beantwortung dieser Frage beschäftigen sich der junge Geschichtsdoktorand Michael und der schon etwas ältere Physikprofessor Leo, denn offensichtlich wäre die Welt doch auf jeden Fall eine bessere, wenn es den bärtigen Psychopathen aus Braunau am Inn niemals gegeben hätte, oder?
Zunächst mal ist zu sagen - ich liebe Stephen Fry. Heiß und innig. Und ich hab mich gefreut so viel von ihm in diesem Buch zu entdecken. "Geschichte machen" ist zudem soweit ich das beurteilen kann, sehr sorfältig recherchiert, der Zeitstrahl der alternativen Welt ist sehr konsequent durchdacht und es macht einfach Spaß das Buch zu lesen, weil man merkt, derjenige der hier schreibt, hat auch was im Kopf (nicht unbedingt gegeben in vielen Fällen, leider).
Es gab ein paar kleine Dinge, die mich minimal gestört haben, beispielsweise waren die Charaktere ein bisschen zu oberflächlich angelegt, ich meine hier vor allem Michael, Leo und auch Glodner, vor allem vom Alternativdiktator gabs für mich viel zu wenig onscreen-time.
Ich fand auch die Proportionen von der Erzählzeit nicht optimal. Am Anfang wars mir zu ausführlich, am Ende hatte ich noch so viele Fragen, da wars mir dann zu wenig ausführlich. Die Alternativzeit war spannend und es wäre schön gewesen, noch mehr darüber zu erfahren (etwa warum es unter Strafe verboten ist schwul zu sein und warum es immernoch so viele rassistische Tendenzen gibt).
Aber insgesamt kann ich mich gar nicht beschweren, das Buch ist absolut nicht vorherzusehen, der Plot springt mal hierhin mal dorthin und alles was man tun kann ist mit offenem Mund hinterherzuschauen und sich dann zu beeilen hinterherzukommen. 
Großartiges Buch.


5 von 5 Sternen

Freitag, 25. Oktober 2019

[Rezension] Kira Licht - Lovely Curse - Erbin der Finsternis



Kurzinfos:

Titel: Lovely Curse - Erbin der Dunkelheit (Lovely Curse #1)
Autorin: Kira Licht
erschienen im: Ravensburger Verlag
Seiten: 416 Seiten
brochierte Ausgabe
Preis (Stand: 10/19): 14,99€ zum Beispiel bei amazon


Klappentext:

Arias Welt bricht zusammen, als ihre Eltern bei einem Autounfall ums Leben kommen und sie zu ihrer Tante in die texanische Provinz ziehen muss. Die neuen Mitschüler an der Highschool lassen die rebellische Aria auflaufen. Doch der charmante Simon scheint ein Auge auf sie geworfen zu haben und der tägliche Schlagabtausch mit Bad Boy Dean wird zur willkommenen Abwechslung – bis Aria eines Morgens mit weißblonden Haaren aufwacht. Und sie ist nicht die einzige, die sich über Nacht verändert. Denn eine uralte Prophezeiung entfaltet ihre Wirkung: Das Ende der Welt naht und Aria ist die erste von vier Todesboten. 



Meine Meinung:

Die 16-jährige Aria zieht, nachdem ihre Eltern bei einem Autounfall verunglückt sind, zu ihrer Tante in eine texanische Kleinstadt. Offensichtlich ist der Transit schwer für sie und in der Schule tut sie sich schwer Anschluss zu finden, ohne mir ersichtlichen Grund hasst die gesamte Schule sie trietzt sie konstant. Nur der nette Simon und der Bad-Boy Dean interessieren sich für sie.

Soweit (gefühlt) die Mainstory. Insgesamt ziemlich beliebig, so zu finden in dutzenden YA-Romanen, trotzdem eine nette Story, schöner Schreibstil und kleine Details, wie zum Beispiel, dass Aria leidenschaftlich gerne Duftkerzen gießt, machen den Plot wieder etwas mehr zu etwas besonderem. Die Nebencharaktere sind für mich logisch angelegt und haben alle ihre Schichten, ihre Ecken und Kanten und ihre Geheimnisse, vor allem Noemi, die ehemalige Queen des Schulhofs und Arias Mobberin der ersten Stunde hat eine tolle Entwicklung durchgemacht, für mich viel interessanter als Aria.

Achja, fast vergessen - Das Buch fällt ja eigentlich ins Fantasy-Genre - das kann man leicht mal vergessen, weil die Fantasy-Elemente tatsächlich eher rar gestreut sind - hier mal eine neue Haarfarbe, da mal ein Gewitter und ein paar überdimensionierte Raben, die Aria und ihre Freunde angreifen. Darüber hinaus? Naja.. Es scheint als hätte sich die Autorin sämtliches was das Fantasy-Genre ausmacht auf Teil 2 rationiert, das Ende von Teil 1 lässt das so ein bisschen hoffen, trotzdem wars mir, als bekennendem Fantasy-Fan einfach zu wenig. Klappentext und Cover lassen so viel erhoffen und alles was dann kommt ist eine Highschool-Liebesdreieck-Geschichte. Die zwar gut geschrieben und unterhaltsam ist, aber eben nicht das, worauf ich mich gefreut hab.

Wäre zu überlegen gewesen aus der Dilogie einen Stand-Alone zu machen, hier und da die Banalitäten rauszukürzen und dafür aber mehr Action und mehr Tempo reinzunehmen. Hätte vermutlich besser gepasst. Aber wer schreibt heutzutage noch Stand-Alones? *soifz*

Insgesamt aber ein okayes (jawohl das ist ein Wort!) Buch. Der Schreibstil war flüssig und bildhaft, ich mochte die tausend Anspielungen auf die heutige Popkultur (obwohl ich fürchte, dass das Buch so schlecht altern wird), die Charaktere waren schlüssig und die Geschichte war, obgleich größtenteils banal, trotzdem schön zu lesen.
Die Fantasyelemente, wenn auch zu dünn gesät haben mir gut gefallen, die ganze Idee mit den apokalyptischen Reitern ist neu und fand ich richtig interessant. Ich hoffe Teil 2 nimmt da etwas mehr an Fahrt auf.

3 von 5 Sterne

Dienstag, 22. Oktober 2019

[Rezension] Tasty - Das Original Sweets



Kurzinfos:

Titel: Tasty Das Original Sweets - Köstliche Kuchen, Tartes & Desserts
Autor: Buzzfeed Inc.
erschienen im: Südwest Verlag
Seiten: 192 Seiten
broschierte Ausgabe
Preis (Stand 10/19): 17,00€ zum Beispiel bei amazon


Klappentext:

Ade, Fertigbackmischung – hallo, selbstgemachte Süß- und Nachspeisen-Sensationen! Das ist erklärte Mission des dritten TASTY-Titels. Mit einführenden Back-Basics und mehr als 75 traumhaften Rezepten in bewährter Schritt-für-Schritt-Anleitung, ist das Buch sowohl für routinierte Backfeen als auch für Neulinge an Schüssel und Rührgerät eine Offenbarung! Von Cookies und Kuchen über Tartes und Torten bis Pudding Parfaits zum Dessert - Tasty macht Mut und Lust sofort den Schneebesen zu schwingen. Egal, ob weich und fluffig, cremig und sahnig, saftig und fruchtig oder knusprig – hier wird wirklich jeder Nachspeisenwunsch erfüllt. Wir sagen nur: Creme Brûlée Cookies, Double Chocolate Mousse Tarte und Matcha Macarons! 


Meine Meinung:

Tasty hat sein drittes Kochbuch auf den Markt gebracht! Nachdem die kleinen Kochvideos, mit denen Buzzfeed schon seit Jahren Menschen auf der ganzen Welt dazu bringt Kekse zu zerbröseln um sie dann als Kuchenboden zu nutzen, kann man dies jetzt endlich auch nach Rezept aus einem richtigen Rezeptbuch machen! 
Auf 192 Seiten befindet sich neben den wirklich vielen Rezepten auch eine umfangreiche Einleitung mit vielen Tricks, Tipps und Infos zu den verschiedenen Zutaten und Backutensilien, die der angehende Bäcker eventuell brauchen wird.
Die Gestaltung des Buches ist wirklich schön gelungen, die Bilder die drin sind sind toll und ansprechend, besonders zu erwähnen sind die Step-by-Step-Anleitungen, die hin und wieder einmal zu finden sind, besonders für Back-Neulinge ist das sehr anschaulich. Obwohl die Bilder allesamt wunderschön sind, sind es mir insgesamt aber zu wenig Bilder. Viele Rezepte stehen ohne Bild da, und Bilder sind für mich einfach essentiell wenn es um Kochbücher geht.
Die Rezepte selber sind abwechslungsreich und gut erklärt, besonders toll finde ich die Basisrezepte, zum Beispiel für Brownies, Pies und Käsekuchen, das sind auch die Rezepte, die ich als erstes erfolgreich ausprobiert habe.
Zu den Rezepten muss man aber dazusagen - man merkt, dass die Rezepte aus den USA kommen viele Zutaten, wie zum Beispiel die omnipräsenten Graham Cracker, crème double oder Maissirup sind halt einfach nichts was sich hier einfach finden lässt. Wenn man also ein Rezeptbuch in Deutschland rausbringt, sollte man schon Rezepte benutzen, die man hier auch einfach nachkochen kann. Das ist so ein bisschen ein negativer Punkt.
Trotzdem - ein schön gestaltetes Kochbuch, das auch besonders für Anfänger geeignet ist. Wenn man Kekskrümel als Tortenboden mag ist das Buch perfekt :D


3,5 von 5 Sterne

Montag, 14. Oktober 2019

[Rezension] Roxane Gay - Hunger


Kurzinfos:



Titel: Hunger
Autorin: Roxane Gay
erschienen im: btb Verlag
Seiten: 320 Seiten
Hardcover
Preis (Stand 10/19): 22,00 €


Klappentext:

Sie schreibt die Geschichte ihres Hungers. Sie schreibt die Geschichte ihres Körpers. Es ist keine Geschichte des Triumphs. Es ist die eines Lebens, das in zwei Hälften geteilt ist. Es gibt das Vorher und das Nachher. Bevor sie zunahm und danach. Bevor sie vergewaltigt wurde und danach. Roxane Gay, eine der brillantesten, klügsten und aufregendsten weiblichen Stimmen der USA, erzählt eine Geschichte, die so noch nie geschrieben wurde: schonungslos offen, verstörend ehrlich und entwaffnend zart spricht sie über ihren »wilden und undisziplinierten« Körper, über Schmerz und Angst, über zwanghaftes Verlangen, zerstörende Verleugnung und Scham.



Meine Meinung:

Roxane Gay hat ein neues Buch geschrieben. Nach dem Bestseller „Bad Feminist“ sind nun auch ihre Memoiren „Hunger“ in der deutschen Übersetzung erschienen.

„Hunger“ beschreibt Gays Kampf mit sich selbst und ihrem Körper nach einer Vergewaltigung in jungen Jahren. Um sich vor weiteren Übergriffen zu schützen und um die Wunden der Vergewaltigung zu schließen, isst sie immer mehr. Irgendwann werden die seelischen Schmerzen der Vergewaltigung abgelöst durch seelische Schmerzen, die aus einer Umwelt kommen, die nicht umgehen kann mit nicht normschönen Körpern.

So wichtig ich das Thema allerdings finde, so unbefriedigt hat mich das Buch letzten Endes zurückgelassen.

Die Autorin beschreibt lang und breit, wie sie zu der Einstellung ihres Körpers kam, die sie heute hat. Und ich möchte ihr die Erfahrungen, die Erniedrigungen, das daraus resultierende Selbstwertgefühl nicht absprechen. Für mich allerdings war das Buch ein weiterer Stein, der einer Frau auf dem Weg zu einem gesunden Gefühl zu ihrem Körper in den Weg gelegt wurde. Das Buch erzählte mir nichts neues, was ich als Frau nicht schon zig mal gehört habe (die persönliche Geschichte der Autorin mal abgesehen) - Körper von Frauen werden zu Gegenständen, Werbung und Reality-TV-Formate unterstützen das, Frauen haben sich dem gesellschaftlichen Druck zu beugen oder sind schlichtweg nicht diszipliniert genug. Mir hat es tatsächlich teilweise mein schlechtes Gewissen eher sogar noch unterstützend wieder unter die Nase gerieben als dagegen angekämpft. 

Leider verliert sich das Buch auch in oberflächlichen Erzählungen und Wiederholungen. Des öfteren hatte ich das Gefühl, dass die Autorin erzählen möchte über das, was ihr geschehen ist, aber letzten Endes das ganze doch nicht in Worte packen konnte. Stellenweise macht es den Anschein, als ob das Schreiben des Buchs ein Therapieersatz oder zumindest ein Ansatz dahin sein soll. Aus literarischer Sicht konnte mich das Buch aber (oder gerade deshalb) nicht in seinen Bann ziehen. 

Das Buch sollte gelesen werden von jedeM (und hier verwende ich bewusst das Maskulinum), der denkt, Körpermaße seien rein eine Sache der Einstellung. Denn wahr ist, dass wir über Frauen übergestülpte Körperideale, daraus resultierende Stereotype und den gesellschaftlichen Umgang damit sprechen müssen. Frauen, die diese Gedanken schon jetzt überheblich teilen, empfehle ich das Buch nicht. Aus Selbstschutz. Ich befürchte, das Buch kann dazu beitragen, genau diese Einstellung noch zu unterstützen. Und die möchte ich persönlich von anderen nicht hören; ich habe hart mit mir gekämpft, um mir das nicht zu persönlich zu nehmen. Ich möchte mich nicht in die Höhle des Löwen begeben. Für alle anderen Frauen, in welchem Struggle auch immer sie sich befinden... nun ja, für diese Frauen wird das Buch nicht vieles liefern, was sie nicht schon zigmal gehört haben, gegen das wir uns seit Jahren und Jahrzehnten wehren und von dem wir aufpassen müssen, vor lauter “gegen die Mühlen anlaufen” nicht müde davon zu werden und aufzuhören. Für mich ist das Buch nämlich manchmal fast ein Manifest genau dafür...




2 von 5 Sternen

Sonntag, 13. Oktober 2019

[Rezension] Fabienne Brouillard - Rendezvous mit Lou


Kurzinfos:

Titel: Rendezvous mit Lou
Autorin: Fabienne Brouillard
erschienen im: Diana Verlag
Seiten: 368 Seiten
Taschenbuch
Preis (Stand 10/19): 9,99€ zum Beispiel bei amazon


Klappentext:

Abserviert. Dabei hatte Lou gedacht, endlich auf die Pariser Sonnenseite des Lebens zu wechseln. Mit Olivier und einem erfolgreich abgeschlossenen Journalistikstudium. Und dann so was: Die Noch-Ehefrau ist schwanger, und zwar von Olivier. Klar, dass Lou rotsieht. Sie hätte nur nicht in aller Öffentlichkeit mit Petits Fours werfen sollen ...

Zwei Wochen bleiben ihr, um zu beweisen, dass sie eine gute Verliererin und eine noch bessere Journalistin ist. Denn bis dahin muss sie ihren Schmerz besiegt und ein Exklusivinterview mit dem medienscheuen Frédéric d’Arambault ergattert haben. 

Die Zeit läuft, und Lou muss unbedingt gewinnen ...



Meine Meinung:

Ich habe nicht besonders viel erwartet von diesem Buch und das hab ich dann auch bekommen - wenig.
Lou ist eine aufstrebende Journalistikstudentin, die sich mit einem verheirateten Dozenten eingelassen hat. Wie zu erwarten fliegt ihr das um die Ohren und sie steht vor dem Nichts, sie steht vor dem Rausschmiss von der Hochschule, das einzige was sie noch retten kann - ein Interview mit dem sehr privaten Frédéric. Soweit so offensichtlich.
Der naheliegende Lösungsansatz für ihr Dilemma - sie bricht in sein Hotelzimmer ein, wird prompt erwischt und hat Glück dass sie hübsch ist, denn und das sind Frédérics Worte und nicht meine "wäre die hässlich gewesen, hätte er sofort die Polizei gerufen". Großartig. 
Der logische nächste Schritt ist natürlich, dass sie für einen von seinen Geschäftspartnern ein Ehepaar spielen und sich dann unsterblich ineinander verlieben. 
Ich wollte dieses Buch mögen. Wirklich, ich liebe das franzäsische joie de vivre und hatte mich auf einen charmanten, witzigen, kurzweiligen Roman gefreut, aber, obwohl es seine lichten Momente hatte, war ich einfach untergeistert.
Nehmen wir mal Lou, eine intelligente, junge Dame, die obwohl sie ständig erzählt, dass sie Frédéric nicht besonders mag (wieso auch nicht, der Mann erpresst sie!), trotzdem alles tut was er will und sich von ihm bevormunden lässt. Sie war mir schon auf den ersten Seiten unsympathisch (Man fängt einfach nichts mit einem verheiratetem Mann an, sorry, aber wie naiv kann man bitte sein?!), das mit dem Einbruch war einfach dumm und insgesamt hat sie sich einfach nur leid getan die ganze Zeit.
Frédéric, aus dessen Sicht abwechselnd mit der Lous geschrieben wurde, fand ich interessanter, er hat irgendwo eine Entwicklung durchgemacht und verhält sich vor allem gegen Ende sehr süß. Obwohl ich wirklich keine Ahnung habe, was er an Lou findet :P

Ich fand den Umgang mit dem Thema Suizid, Fremdgehen und Abtreibung sehr befremdlich, diese Themen hätten dem Plot mehr Tiefe geben können, sind aber alle sehr oberflächlich behandelt und nur als Mittel zum Zweck abgetan worden, was schade ist. 

Ich mochte den Stil, das Buch hat sich sehr flüssig lesen lassen, vor allem wenn man bedenkt, dass die französische Autorin in einer Fremdsprache geschrieben hat, es gab hin und wieder ein paar Ausdrücke und Redewendungen die ein wenig eckig klangen, aber insgesamt ist Rendevous mit Lou sehr schön geschrieben. Ich mochte auch die kleinen französichen Phrasen und Wörter, die immer wieder auftauchten, das hat den Text sehr authentisch gemacht. Auch das französische Flair und die Liebe zu Paris kam für mich sehr schön rüber.

Insgesamt aber trotzdem kein Buch das ich empfehlen oder noch einmal lesen würde.

2 von 5 Sterne

Donnerstag, 10. Oktober 2019

[Rezension] Eloise Jarvis McGraw - Tochter des Nils


Kurzinfos:

Titel: Tochter des Nils
Autorin: Eloise Jarvis McGraw
erschienen im: Beltz-Verlag
Seiten: 343 Seiten
Hardcoverausgabe
Preis (Stand 10/19): ab 1,07€ (gebraucht) bei amazon


Klappentext:

Mara würde alles tun, um aus ihrem Sklavendasein auszubrechen. Deshalb zögert sie nicht, als ihr neuer Herr ihr die Freiheit verspricht, wenn sie einen lebensgefährlichen Auftrag annimmt: Sie soll Thutmosis, den Stiefsohn der herrschenden Pharaonin Hatschepsut, ausspionieren. 
Doch schon bald gerät Mara in Bedrängnis. Sie muss, um ihr Leben zu retten, einen zweiten geheimen Auftrag annehmen...


Meine Meinung:

Ahhh Tochter des Nils. Ich hab dieses Buch schon so oft gelesen, das erste Mal ausgeliehen aus der Stadtbücherei, da war ich vielleicht 14? Ich habs nie auf die Kette bekommen eine Rezension zu schreiben, aber jetzt ist die Zeit endlich reif: Ich liebe dieses Buch.
Mara ist eine ägyptische Sklavin, die durch einen Zufall zwischen den Pharao Königin Hatschepsut und ihren revoltierenden Stiefsohn Tutmosis gerät. Ich mag Mara, sie ist stark, schlau, hat ihren eigenen Kopf und obwohl sie ihre Fehler hat, war sie die perfekte Hauptperson, die Freundschaft zwischen Innani, der vulgären Prinzessin aus Kanaan und Mara war toll beschrieben und Scheftu? Bookboyfriendmaterial. Just sayin. 
Tochter des Nils ist im übrigen kein besonders neues Buch, es wurde Anfang der 50er geschrieben und dafür finde ich, dass es sehr gut gealtert ist. Ich mochte all die ägyptischen Worte und wie immer wieder Teile der Mythologie eingebaut wurden. Historisch ist die Geschichte nicht besonders akkurat, aber guess what: Das ist mir so egal, Tochter des Nils ist ein SUPER BUCH! 
Liebe das. 


5 von 5 Sterne

Mittwoch, 9. Oktober 2019

[Rezension] Ferdinand von Schirach - Der Fall Collini


Kurzinfos:

Titel: Der Fall Collini
Autor: Ferdinand von Schirach
erschienen im: Piper Verlag
Seiten: 208 Seiten
Hardcoverausgabe
Preis (Stand 10/19): 3,73€ (gebraucht) bei amazon


Klappentext:

34 Jahre hat der Italiener Fabrizio Collini als Werkzeugmacher bei Mercedes-Benz gearbeitet. Unauffällig und unbescholten. Und dann ermordet er in einem Berliner Luxushotel einen alten Mann. Grundlos, wie es scheint. Der junge Anwalt Caspar Leinen bekommt die Pflichtverteidigung in diesem Fall zugewiesen. Was für ihn zunächst wie eine vielversprechende Karrierechance aussieht, wird zu einem Albtraum, als er erfährt, wer das Mordopfer ist: Der Tote, ein angesehener deutscher Industrieller, ist der Großvater seines besten Freundes; in Leinens Erinnerung ein freundlicher, warmherziger Mensch. Wieder und wieder versucht er die Tat zu verstehen. Vergeblich, denn Collini gesteht zwar den Mord, aber zu seinem Motiv schweigt er. Und so muss Leinen einen Mann verteidigen, der nicht verteidigt werden will. Ein zunächst aussichtsloses Unterfangen, aber schließlich stößt er auf eine Spur, die weit hinausgeht über den Fall Collini und Leinen mitten hineinführt in ein erschreckendes Kapitel deutscher Justizgeschichte …


Meine Meinung:

Ich weiß nicht genau was ich bei diesem Buch erwartet habe. Definitiv nicht sowas. Inhaltlich war Der Fall Collini eine Bombe. Erst blickt man eine ganze Weile gar nicht durch, dann ist man einfach nur entsetzt. Der Plot hat eine Wendung genommen, die ich nie nie nie vorausgeahnt hätte und was zwar als aufsehenerregender Mordfall begonnen hat verwandelt sich am Ende in viel mehr als das. Dabei ist es nicht nur ein einfacher Roman über einen Mordfall, es ist genauso auch Aufklärug über deutsche Geschichte und über deutsches Recht, nicht verwunderlich natürlich wenn man bedenkt, dass der Autor ein Strafverteidiger ist.
Ein richtig gutes Buch lässt dich nach der letzten Seite nicht mehr los und stößt was in dir an und das hat dieses Buch bei mir ohne Zweifel. Es hat Interesse geweckt, ich will mehr über das Dreher-Gesetz wissen und das macht dieses Buch für mich schon zu einem 5 Sterne Buch, auch wenn es Erzählerisch schon seine Macken hat meines Erachtens. Aber das kann ich außen vor lassen, wenngleich ich es  trotzdem noch kurz erwähne.
Sprachlich ist der Stil sehr sachlich, ohne viele Ausschweifungen und Emotionen, was Sinn macht vor dem beruflichen Hintergrund des Autors, trotzdem war es mir an manchen Stellen etwas zu trocken,
besonders am Anfang, gegen Ende war der sachliche Stil wieder sehr passend. Die Charaktere sind auch alle bis vielleicht auf Collini, sehr bla. Ich musste grade nochmal überlegen wie der Anwalt hieß und ich habe das Buch erst vor Minuten zu Ende gelesen. 
Das größte Problem mit dem Buch das ich hatte war das Ende. Ich will jetzt nicht spoilern, aber es war einfach unbefriedigend, als wollte man das Buch nachdem der Knaller gezündet wurde schnell mit wenigen Sätzen beenden. Ich hätte mir einfach noch ein bisschen mehr erwartet. Das Ende an sich ist kosistent mit dem Plot, aber zu schnell abgefrühstückt für meinen Geschmack.
Alles in allem ein Buch das mich sehr berührt hat, die kleinen Mankos in meinen Augen sind mir fast egal, deswegen bleib ich bei 5 Sternen.


5 von 5 Sternen


Dienstag, 8. Oktober 2019

[Rezension] Lena Kiefer - Ophelia Scale - Die Welt wird brennen



Kurzinfos:

Titel: Ophelia Scale - Die Welt wird brennen (Ophelia Scale #1)
Autorin: Lena Kiefer
erschienen im: cbj Verlag
Seiten: 464 Seiten
Hardoverausgabe
Preis (Stand 10/19): 18,00€ zum Beispiel bei amazon


Klappentext:

Die 18-jährige Ophelia Scale lebt im England einer nicht zu fernen Zukunft, in dem Technologie per Gesetz vom Regenten verboten ist. Die technikbegeisterte und mutige Kämpferin Ophelia hat sich dem Widerstand angeschlossen und wird auserkoren, sich beim royalen Geheimdienst zu bewerben. Gelingt es ihr, sich in dem harten Wettkampf durchzusetzen, wird sie als eine der Leibwachen in der Position sein, ein Attentat auf den Herrscher zu verüben. Doch im Schloss angekommen, verliebt sie sich unsterblich in den geheimnisvollen Lucien – den Bruder des Regenten. Und nun muss Ophelia sich entscheiden zwischen Loyalität und Verrat, Liebe und Hass ...



Meine Meinung:

Die Eckstory ist wahrlich nichts neues - Dystopisches Setting - Mädchen schleicht sich ins Königshaus ein und verliebt sich letztlich in den Feind. Das ist so etwa genauso der Plot von "Die rote Königin" (Victoria Aveyard) und "Der Kuss der Diebin" (Sara Wolf) und das sind jetzt nur zwei Beispiele die ich gelesen habe. Die Rahmenhandlung ist also ein wiederkehrendes Thema in der Jugendliteratur, aber eben auch mit Recht. Ich mochte "Ophelia Scale" sehr gerne. Besonders wenn man bedenkt, dass es sich hier um einen Debütroman handelt, kann ich nicht mehr tun als meinen Hut zu lupfen.
Ich mochte die Charaktere, allen voran natürlich Ophelia. Ein Charakter der einerseits so stark ist, der auf der anderen Seite aber auch sensibel, kaputt, voller Wut und Trauer ist, sodass man sie einfach lieb haben muss.
Die Handlung ist sehr spannend, immer wenn man denkt, man kann vorhersehen in welche Richtung sich die Geschichte entwickelt kommt wieder eine Kehrtwende um 180 Grad, ein bisschen frustriend, aber auf eine gute Art und Weise.
Das einzige was ich eventuell ein bisschen bekritteln könnte ist, dass sich die Beziehung zwischen Lucien und Ophelia viel zu schnell entwickelt hat. Immerhin ist er der Bruder des Mannes den sie am meisten hasst und da lässt sie ihn schon nach dem dritten Gespräch in ihr Höschen? Naja...
Ich hätte es schöner gefunden, wenn sich die Beziehung langsamer entwickelt.
Der Cliffhanger am Ende ist natürlich super gemein, jetzt bleibt mir ja gar nichts anderes übrig als weiterzulesen, auch weil ich die letzten Entwicklungen ein wenig verwirrt haben. OMG what will happen next!? 
Insgesamt ein schönes Fantasy-Buch für Fans von starken weiblichen Protagonisten!


4 von 5 Sterne

[Rezension] Hédi Fried - Fragen die mir zum Holocaust gestellt werden

Kurzinfos: Titel: Fragen, die mir zum Holocaust gestellt werden Autorin: Hédi Fried erschienen im: Dumont Verlag Seiten: 160 Seite...